Island 2015
Ein Bericht von Andreas Levers

Anreise

Während eine Hitzewelle auf Berlin zurollt, stehen wir mit unseren gepackten Koffern und Rucksäcken in der bunt gemischten Schlange für den Flug nach Island. Nach dem Check-In und mit dem etwas Verzögerung rollt der Airbus A321 eine gefühlte Viertelstunde zur Startbahn des neuen BER, während die alte Bahn saniert wird. Der Pilot sinkt nach etwas mehr als drei Stunden durch eine dicke Wolkendecke und setzt mit Perfektion auf. Im Vergleich zu anderen internationalen Flughäfen, scheint Kevlavik wie ein außerplanmäßiger Halt. Unser Nachbar Frank verglich das mit einer Landung an einer größeren Tankstelle. Der Eindruck wird durch die Umbauten vor Ort noch verstärkt.

Zwischen dem Trubel und den Pressholzplatten warten wir geduldig auf unser Gepäck und ich nutze die Zeit, um eine SIM-Karte zu kaufen. Die freundliche Verkäuferin im Duty Free Shop gibt mir das Starterpaket, das ungefähr so viel wie eine Tasse Kaffee kostet. Hätte ich eine Büroklammer für den SIM-Einschub an meinem Telefon dabei, könnten wir das sofort nutzen, aber jetzt geht es erst mal um den Mietwagen.

Nach dem üblichen Formular-Ausfüllen und Führerschein-Abgleichen stehen wir auf dem Parkplatz neben einem praktisch fabrikneuen Suzuki Grand Vitara in Silbergrau. Mit Neuwagengeruch im Innenraum und 400km auf dem Tacho machen wir uns auf den Weg zu unserer ersten Ferienwohnung. Abgehärtet durch jahrelangen Berufsverkehr in Berlin ist das Fahren in der Stadt (oder was dem hier am nächsten kommt) ein Kinderspiel. Da hupt man sich als Einwohner schon mal freundlichen winkend einen Platz in der Spur daneben frei und nimmt es mit dem Tempolimit auch nicht so genau. Kurzum: Sehr sympathisch.

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Weil es schon spät ist und wir noch einkaufen müssen, wählen wir den Tunnel, der den Weg um 40km abkürzt. Auf der anderen Seite fahre ich prompt durch die falsche Spur der einzigen Mautstrecke in Island. Wir halten an, ich sprinte über die mehrspurige Straße zu dem Büdchen und zahle den Betrag mit der Kreditkarte nach, um mir späteren Ärger zu ersparen. Der nächste Halt ist ein Supermarkt in Borganges, in dem wir uns mit einfachen Lebensmitteln eindecken. Während das Außenthermometer 13° Celsius zeigt und das Navigationssystem weniger Probleme mit der Aussprache isländischer Ortsnamen hat als wir, werden die Zeichen von Zivilisation seltener.

In den zwei Stunden bis zum Zielort leert sich die Straße mit jedem Kilometer. Alle paar Minuten kommt uns wahlweise ein Kleinstwagen oder ein monströser Superjeep entgegen, während im Rückspiegel schon lange keine Lichter mehr zu sehen sind. In der Ferne verschwinden die Gipfel im Hochnebel und immer wieder gehen kräftige Schauer auf uns und die Schafe am Wegesrand nieder. Das Blau der aus Alaska eingeschleppten Lupinen säumt das felsige Geröll und trotz der dichten Wolken kann man hin und wieder die Farbigkeit der Berge erahnen. Die Kamera muss heute trotzdem im Rucksack bleiben. Kurz bevor das sonore Brummen des Motors zu einschläfernd ist, erreichen wir unser erstes Ferienhaus. Noch während der Schotter unter den Reifen knirscht kommt eine freundlich lächelnde Frau aus dem Nebengebäude und begrüßt uns in perfektem Englisch in Ihrem Gasthaus und in Island.

Edda führt uns durch unser Basislager für die kommenden Tage. Im Hot Pot blubbert das 40° warme Wasser, der Gasgrill steht direkt daneben und drinnen wartet eine voll ausgestattet Küche in einem holzvertäfelten Raum. Die beiden gut gefüllten Gästebücher bestätigen unseren ersten Eindruck mit fast 8 Jahren dankbarer Berichte. Während das Würstchen-Gulasch kulinarisch mit diesen Eindrücken nicht mithalten kann, packen wir aus, legen uns hin und versinken bei permanentem Tageslicht in einen festen und zufriedenen Schlaf.

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